1449 erbaut und über den Dächern von Alfama unweit der Festung São Jorge gelegen, bietet die frühere Residenz des Grafen von Belmonte eine atemberaubende Aussicht. Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein Privathaus, und dieser Eindruck bleibt auch nach dem Eintreten bestehen. Man fühlt sich wie im prächtigen Haus stilsicherer Freunde oder am Set eines Kostümfilms. Kein Wunder, dass Wim Wenders’ »Lisbon Story« dort gedreht wurde und stilprägende Persönlichkeiten wie der Designer Christian Louboutin oder der Schauspieler Jeremy Irons dort absteigen, wann immer sie in der Stadt sind.

Palacio Belmonte Interior Design Kachelwände

Für die eleganten Böden wurde 300 Jahre altes Holz aus Lettland verarbeitet.

Palacio Belmonte Interior Design Backsteinkuppel

Mit Leidenschaft für die Denkmalpflege renovierte Frédéric Coustols das historische Haus und machte es zu einem Palast der Extraklasse.

»Es hat sechs Jahre gedauert, das Haus gemäß den Regeln der Nachhaltigkeit und der Charta von Venedig zu renovieren«, sagt Frédéric Coustols, der das Gebäude 1994 mit der Absicht erwarb, selbst darin zu wohnen. »Damals war es völlig baufällig. Es regnete durch die Decke und wir mussten das Wasser mit Eimern auffangen.« Der wohlhabende Franzose mit einer Leidenschaft für Denkmalpflege – er besitzt eine Burg in der Gascogne und restauriert Dörfer in China und Indien – merkte schon bald, dass er den Palast nicht nur als privates Wohnhaus nutzen wollte. »Für die meisten Leute ist ein Haus ein Ort zum Übernachten. Für mich ist es ein Ort, an dem etwas geschieht.« Er hatte die Vision einer »Luxuspension für Menschen, für die Luxus Schlichtheit bedeutet«. Jedoch war es kein leichtes Unterfangen, den Palácio zu neuem Leben zu erwecken.

Palacio Belmonte Interior Desing Ausblick Nische

Das Café lädt zum Verweilen und Bestaunen der außergewöhnlichen und doch so schlichten Interior-Welt ein.

»Es war eine echte Herausforderung, die ursprünglichen Materialien zu restaurieren, denn das Gebäude wurde während der Römerzeit errichtet und bis 1725 mehrmals umgestaltet. Für die Böden verwendeten wir das 300 Jahre alte Holz aus Lettland, das der Graf im Austausch gegen Wein erworben hatte. Die Azulejos, die handbemalten blau-weißen Fliesen aus dem 18. Jahrhundert, die jetzt die Wände schmücken, waren völlig durcheinander. Wir hatten 3.800 Stück und mussten 59 Bilder rekonstruieren.«

Palacio Belmonte Interior Design Nische

Kleine, unerwartete Nischen mit architektonischen und historischen Highlights.

Palacio Belmonte Interior Desing blau-weiss Kachelfliesen

Die handbemalten blau-weißen Fliesen stammen aus dem 18. Jahrhundert und wurden aufwendig zu kleinen Kunstwerken rekonstruiert.

Außerdem gab es mehrere Überraschungen, mit denen niemand gerechnet hatte: »Wir fanden einen Fluchttunnel zum Tajo und in einem versteckten Zimmer eine Truhe voller Briefe, die vom König und von der Königin Portugals stammen.«

Das Ergebnis ist ein faszinierendes Gebäude voller unerwarteter Nischen, Treppen, Winkel und Öffnungen. »Die meisten Menschen wollen eine perfekte Inneneinrichtung. Aber perfekt ist uninteressant.« Es gibt eine Kapelle und ein Musikzimmer. Fernseher, Aufzüge und Klimaanlagen findet man hier nirgends, stattdessen wurde das ursprüngliche Heiz- und Kühlsystem beibehalten. Jede der zehn nach portugiesischen Persönlichkeiten benannten Suiten ist einzigartig: Die »Bartolomeu de Gusmão« befindet sich in einem maurischen Turm aus dem 7. Jahrhundert und verfügt über eine eigene Terrasse, die »Fernão Mendes Pinto« über eine römische Mauer. Die »Padre Himalaya«, in der ich wohne, ist in einem römischen Turm untergebracht. Vor dem Schlafzimmerfenster liegt mir die Stadt zu Füßen, die Dächer glitzern und der Fluss funkelt. Das mit Marmor geflieste Bad könnte aus einem James-Bond-Film stammen.

Palacio Belmonte Interios Design Schlafzimmer blaue Kacheln

»Ich wollte dieses Haus in einen Ort verwandeln, der Geschichte, Leidenschaft, Seele, Wärme und Individualität ausstrahlt«, so Coustols.

In den hohen Gemeinschaftsräumen, die als »Piano nobile« bezeichnet werden, mischen sich Antiquitäten wie eine seltene indo-portugiesische Kommode (»Ich habe drei Monate lang über den Preis verhandelt«) auf nonchalante Weise mit modernen Kunstwerken, Skulpturen, Gemälden und Installationen, etwa der Acrylskulptur »Outside Over There« im Ballsaal »Maria Ursula«. »Ich hatte keine fixe Vorstellung davon, wie die Einrichtung aussehen sollte. Es hat sich einfach so ergeben«, erklärt Coustols. »Nichts ist statisch. Das hier ist kein Museum, alles ist lebendig und im Fluss.«

Palacio Belmonte Interior blaue Kachelwand

Zwischen Skulpturen, Gemälden und Installationen wirken die hohen Räume des »Piano nobile« lebendig und im Fluss.

Die Gäste halten sich gerne in dem mit über 4.000 Büchern bestückten Lesesaal auf, auf dessen mit Paneelen getäfelten Wänden ein Wort in jeder Sprache der Welt steht. Ein Kunstwerk, das die Schwester des Besitzers für den ehemaligen französischen Präsidenten François Mitterrand angefertigt hatte. Auch der mediterrane Garten mit seiner duftenden Vielfalt aus portugiesischen Pflanzen und Bäumen, in dem unter violetten Bougainvilleen ein Salzwasserpool aus schwarzem Marmor liegt, lädt zum Verweilen ein. »Ich wollte dieses Haus in einen Ort verwandeln, der Geschichte, Leidenschaft, Seele, Wärme und Individualität ausstrahlt«, so Coustols. Das ist ihm gelungen.

Palacio Belmonte Ausblick Wasser

Ein atemberaubender Ausblick.

Ein Beitrag von Alessandra Signorelli

Copyrights der Bilder
Palácio Belmonte

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