Kein Wunder, dass gerade Oslo sich rasend schnell von einem verschlafenen Städtchen in eine moderne und weltoffene Hauptstadt verwandelt. Nehmen wir zum Beispiel die Architektur: Jetzt, wo das spektakuläre Opernhaus des norwegischen Architekturbüros Snøhetta und die futuristische Barcode-Skyline fertig sind, ist die Hafenfront von Bjørvika Schauplatz eines großen Plans, der bis 2020 die Fertigstellung von Lambda vorsieht, dem neuen Munch-Museum des spanischen Architekten Juan Herreros, der neuen Nationalgalerie von Kleihues+Kleihues und der innovativen Deichmanschen Bibliothek von Lund Hagem Arkitekter (in Zusammenarbeit mit Atelier Oslo), die nachts wie ein Leuchtturm der Moderne strahlen wird.

In der Zwischenzeit beleben vielseitige Locations, trendige Kneipen und schicke Läden einstige Schmuddelecken wie die Torggata und verändern das urbane Lebensgefühl der Stadt. Das Vulkangelände, ein umweltfreundliches und nachhaltiges Stadtentwicklungsprojekt am Ufer der Akerselv, hat verlassenen Industriegebäuden mit Hotels, Schulen, Wohnungen und Kulturzentren neues Leben eingehaucht, und das frühere Arbeiterviertel Grünerløkka hat sich dank Street-Art, Vintage-Boutiquen und lebhafter Kneipen und Cafés zu einem attraktiven Ort mit alternativem Lebensgefühl entwickelt. Oslo ist obendrein noch zu »Europas Grüner Hauptstadt 2019« gekürt worden. Zeit, ihr einen Besuch abzustatten.

Oslo Deichmanske Library

Deichmanske Library.

Astrup Fearnley Museum

Astrup Fearnley Museum.

 Peder Lund Gallery Oslo

 Peder Lund Gallery.

KUNST & KULTUR

Erkunden Sie das ehemalige Hafenviertel von Tjuvholmen, heute ein moderner Stadtteil für Wohnen, Arbeiten und Freizeit, gespickt mit Restaurants und Cafés mit Seeblick. Hier gibt es zeitgenössische Kunst, soweit das Auge reicht. Erste Station: das schnittige, von Renzo Piano entworfene Astrup Fearnley Museum, eine Schatzgrube für Werke von Künstlern wie Damien Hirst und Jeff Koons. Regelmäßig gibt es hier spannende Ausstellungen zu sehen. Knöpfen Sie sich danach die Galerien in der Gegend vor, die wohl zu den besten der Stadt gehören. Das nächste norwegische Wunderkind gibt es in der Galleri Brandstrup zu bestaunen, internationale Größen wie Richard Serra und Doug Aitken bei Peder Lund, oder Sie gehen in der Galerie Gerhardsen Gerner, die man übrigens auch in Berlin findet, mit Werken von jungen und etablierten europäischen Künstlern auf Tuchfühlung. Oder Sie machen sich auf nach Bjørvika und erleben moderne Kunst in der Kunsthall, einem gemeinnützigen Kunstraum in den Barcode-Gebäuden. Außergewöhnliche Fotografie (wie zum Beispiel von Jimmy Nelson oder Nick Brandt) gibt es bei Willas Contemporary im Stadtzentrum zu sehen. Wer die unverkennbare kreative Energie der Stadt spüren will, sollte das Kulturhuset in der Nähe der Torggata besuchen: In diesem mehrstöckigen Gebäude (mit Bar und Café) werden Diskussionsrunden ausgerichtet, Story-Slams, Konzerte, Tischtennisturniere, Filmvorführungen und Brettspielabende. Das Kulturhuset zieht eine illustre Schar von Gästen an, vom Hipster bis zur Hausfrau. Für einen Schwung frischer Inspiration bietet sich Doga an, ein Zentrum für Design und Architektur, das sich Nachhaltigkeit, Stadtentwicklung und Wertschöpfung auf die Fahnen geschrieben hat. Lassen Sie sich bei einem Besuch nicht das erstklassige vegane Essen im hauseigenen Café entgehen!

ESSEN

»Fleisch und Kartoffeln, viel mehr gab es früher bei uns nicht«, sagt ein norwegischer Freund und wundert sich über die gegenwärtige norwegische Küche. »New Nordic« und »Vom Erzeuger zum Verbraucher«, zwei Trends, die in Oslos Gastronomie für einfallsreiche Gerichte mit ungewöhnlichen Zutaten sorgen. Es regnet Michelin-Sterne: Das Galt, vergangenen Herbst von fünf befreundeten Köchen eröffnet, hat mit seinem Sechs-Gänge-Menü aus Frischwaren und aufregenden Geschmackskombinationen bereits seinen ersten Stern erhalten und Maaemo, dem Drei-Sterne-Giganten der Molekularküche mit seiner monatelangen Warteliste den Titel »In aller Munde« streitig gemacht. Selbstgebrautes Bier und Gerichte mit Zutaten aus biologisch-dynamischem Anbau gibt es bei Kolonihagen Frogner, versteckt in einem Hof in warmer und gemütlicher Atmosphäre. Spontane Gespräche mit neuen Bekanntschaften entstehen bei vortrefflicher regionaler Bioküche im Ett Bord, wo man um einen großen Gemeinschaftstisch sitzt, wie bei einem Familienfest, nur ohne die üblichen Streitereien. Und wer weiß, vielleicht bedient Sie der Sohn des Eigentümers, ein norwegischer Fernsehstar! Sie wollen die volle Bandbreite? Besuchen Sie Mathallen auf dem neuen Vulkangelände. In dieser Markthalle reichen die Spezialitäten von Foie gras und spanischen Tapas bis hin zu Wokgerichten und italienischer Pizza, aber die wahren Magneten sind die Stände mit norwegischem gegrilltem Fisch, Meeresfrüchten, Käse und Sülze von kleinen Höfen der Region (nicht zu vergessen die beiden Bienenstöcke im Design von Snøhetta).

Ett Bord Oslo

Ett Bord.

Kolonihagen Frogner Restaurant

Kolonihagen Frogner.

Maaemo Restaurant Oslo Food

Maaemo.

Torggata Botaniske, Bar in Oslo

Torggata Botaniske.

Himkok Bar in Oslo

Himkok.

TRINKEN

Die Barszene von Oslo brummt, und Youngstorget ist der lebendige Beweis dafür. Ziehen Sie rund um die Torggata um die Häuser, und die Nacht wird garantiert lang werden! Im Torggata Botaniske, wo Schlingpflanzen von den Decken hängen, werden die Getränke mit frischen Kräutern hergestellt, die vor Ort gewachsen sind. Himkok, die zu den 20 besten Bars der Welt zählt, hat eine eigene Brennerei. Hier werden Cocktails mit typisch norwegischen Geschmacksrichtungen wie Seegras, Moltebeere oder Birke serviert. Das Gefühl, mitten in eine Retrowohnung spaziert zu sein, hat man bei Andre til Høyre mit seinen drei Zimmern, jedes mit anderem Ambiente. Drinks werden von kleinen Wagen serviert. An derselben Adresse befindet sich Håndslag, in dem ein Fleischer, eine Bierstube und ein Veranstaltungsbereich untergebracht sind. Minimalistisches Dekor und eine coole Crowd wartet in der Nemesis Bar, einem der jüngsten Zugänge zu Oslos Barszene. In Gunnars Generasjonsbar, die schon frühmorgens öffnet, gibt es Bio-Frühstück bis zum Spätnachmittag. Endlich ein perfekter Ort, um sich nach der Party auszuruhen, eine köstliche Bloody Mary zu schlürfen und die erlesene Kundschaft zu beobachten. Blå, eine unerschütterliche Größe in Oslo, befindet sich auf der anderen Seite des Flusses. Hier gibt es Hip-Hop-, Jazz- und R&B-Konzerte und die besten norwegischen DJs zu erleben. Ebenfalls in der Nähe liegt Ingensteds, eine Mischung aus Club und Kulturzentrum in einer ehemaligen Textilfabrik.

YME Universe Shop

YME Universe.

SHOPPEN

Die norwegischen Designer schwimmen auf der skandinavischen Modewelle: Gönnen Sie sich ein paar ausgewählte Stücke im F5 Concept Store, das von drei Brüdern – allesamt Modedesigner – geleitet wird. Fündig werden Sie sicher auch bei Ensemble, einer Boutique in Grünerløkka mit skandinavischen und ausgewählten internationalen Labels. Gut schlendern lässt es sich durch die drei von Snøhetta gestalteten Stockwerke des Concept Stores YME Universe, Oslos Antwort auf Paris’ Colette oder Mailands 10 Corso Como: massenweise Sneaker, ausgewählte Kleidungsstücke der angesagtesten internationalen Designer, erlesene Accessoires und Bildbände für den Coffee Table (ein Café gibt es natürlich auch). Norwegische Möbel, Wohnaccessoires, Textilien und Keramik gibt es bei Pur Norsk. Der ideale Ort für ein Mitbringsel (für sich selbst)!

F5 Concept Store Oslo

F5 Concept Store.

Camillas Hus Oslo Eingangsbereich Interior

Camillas Hus.

ÜBERNACHTEN

Ihnen ist nach einem Abstecher in die norwegische Schickeria? Steigen Sie im Fünf-Sterne-Haus Hotel Continental ab, einem Familienbetrieb in vierter Generation. Der Sonntagsbrunch im eleganten Theatercaféen, beliebt bei norwegischen Schauspielern und Politikern, ist ein Muss. Eine Alternative ist das von Nostalgie durchdrungene Grand Hotel, wo jedes Jahr das Bankett zum Friedensnobelpreis stattfindet. Beide Hotels sind gerade einmal fünf Gehminuten vom königlichen Schloss entfernt. In der Nähe ist noch ein weiteres Juwel versteckt: Camillas Hus, ein entzückendes kleines Boutique-Hotel mit sieben Zimmern, einst das Haus der Schriftstellerin Camilla Collet. Alle Zimmer sind mit echten Antiquitäten ausgestattet und vermitteln das Gefühl, man würde eine stilbewusste Freundin besuchen. (Der reizende General Manager Mario Rego De Sousa ist übrigens ein wandelndes Lexikon, was Oslo betrifft.) Zeitgenössische Kunst aus der Privatsammlung des Eigentümers, kuratiert von Sune Nordgren, dem ehemaligen Direktor des Nationalmuseums, können Sie im The Thief erleben. Das Hotel liegt auf Tjuvholmen strategisch günstig gleich neben dem Museum für moderne Kunst. Verschiedene Konzepte der Gastfreundlichkeit, verschiedene Stimmungen, aber ein- und dasselbe Lebensgefühl voll frischer Energie. Eben wie Oslo, eine skandinavische Hauptstadt, die so langsam richtig wach wird!

The Thief Hotel in Oslo Lobby

The Thief.

Ein Beitrag von Alessandra Signorelli

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