Als sie 2013 nach einem neuen Zuhause in Gstaad suchte, erkannte sie sofort das Potenzial ihres jetzigen Heims: »Es war ein recht spießiges Chalet aus den 1960er Jahren. Aber ich mochte seine Größe, die Lage und das Rauschen des Wasserfalls – das hat mich charmiert.« Sie ließ das Chalet über acht Monate komplett entkernen und mithilfe von einheimischen Tischlern neu ausbauen. Zum Einsatz kam viel altes Holz aus ihrem eigenen Fundus, denn Bibi Gritti hat ein doch etwas ungewöhnliches Hobby: 

»Ich bin eine leidenschaftliche Sammlerin. Früher habe ich ganz alte heruntergekommene Bauernhäuser in Österreich und in der Schweiz gekauft, die man damals noch gefunden hat, habe sie auseinandergenommen und wiederaufgebaut.«
Toller Steinkamin mit Aussicht und schönem Dekor

Hunderte von Holztüren erstand sie dort und in Klöstern, Schlössern oder vom Trödler und verbaute sie in ihren Einrichtungsprojekten und auch im eigenen Chalet, in das sie schließlich 2015 einzog.

Wasserfall
Antike Holztrue und Hexenspiegel

Ich betrete das charmante Anwesen bei gleißendem Sonnenschein – vor dem beeindruckenden Bergpanorama eine Szene wie aus dem Bilderbuch – und bin bezaubert von der Stimmung. Das Interieur definiert sich weder über pompösen Alpenchic noch über den typisch reduzierten New-Chalet-Style in Greige. Stattdessen findet sich in Bibi Grittis »Nest« eine sehr persönliche und eklektische Mischung aus über Jahre zusammengetragenen Antiquitäten, Flohmarktfundstücken, Möbeln aus ihrem Elternhaus sowie stilsicher ausgesuchten Unikaten aus der ganzen Welt. Bis auf zwei Sofas kaufte die Österreicherin kein einziges neues Möbel oder Accessoire und bespielte das komplette Chalet aus ihrem eigenen Fundus.

Sammlung von antikem Stoff
Lupensammlung
Eingangsbereich mit antikem Tresor

Ihr Blick für besondere Stücke zeigt sich manchmal auch erst auf den zweiten Blick, wie zum Beispiel beim Beistelltisch im Flur: ein alter Tresor aus Venedig, der neben einem der zehn Marilyn-Monroe-Prints von Andy Warhol genial inszeniert ist.

Schlafzimmer mit Felldecke
Esszimmer mit rotem Tischleinen und Schaffellen

Die Teller aus Biskuitporzellan ließ sie nach eigenem Entwurf in einer toskanischen Porzellanmanufaktur herstellen, die Weingläser stammen aus einer Glasbläserei in Murano und das burgunderfarbene Tischleinen ließ sie in ihrer Heimat Oberösterreich weben.

Ihr Sammel-Faible erstreckt sich – wie zu erwarten war – auf jede Menge moderne Kunst sowie den Hang zu doch recht ungewöhnlichen, exzentrischen Objekten. Wie etwa eine Sammlung antiker Lupen in verschiedenen Größen in ihrem Schlafzimmer, die sie über Jahre sammelte und auf den verschiedensten Flohmärkten in England, Frankreich und Belgien erstand. 

Oder die zahlreichen runden konvexen Spiegel, sogenannte Hexenspiegel, die vom Eingang bis zur Küche in verschiedenen Nischen als Solitär oder dekorativ gruppiert als kleine Arrangements hängen.

Die Landhausküche vom Chalet Nest

Die Kunst im Chalet ist dagegen bis auf die zehn signierten Marilyn-Monroe-Prints von Warhol recht gegenwartsbezogen: Im Esszimmer blickt man auf die Fotoarbeit »Stadt 12/34 Berlin« von Frank Thiel und im Fernsehzimmer hängt eine Auftragsarbeit, ein Familienporträt, das Bibi Gritti mit ihren Kindern und Hunden zeigt. Angefertigt wurde es vom brasilianischen Künstler Vik Muniz in seiner »Chocolate Portraits«-Periode.

Lampe Triennale 12128 Arredoluce Midcentury im Chalet Nest mit Aussicht

Schon als Kind war die Wahlschweizerin von schönen Dingen umgeben. In ihrem Elternhaus kam sie früh mit klassischer Musik, Kunst und barocker Architektur in Berührung. Ihr Werdegang ist eine Erfolgsgeschichte: Nach Abschluss der Klosterschule in Wien studierte sie Gemmologie und begann ihre Karriere als Schmuckdesignerin beim Traditionsunternehmen Boucheron in Paris. Im Anschluss arbeitete sie bei Sotheby’s als Juwelenexpertin und baute später bei Bulgari das Schweizer Business auf.

Bibi Gritti

Wohnzimmer mit Familienportrait aus Schokolade

Dann kam der Wendepunkt: Noch mit ihrem ersten Kind schwanger wagte sie den Sprung in die Selbstständigkeit. Wie schon viele vor ihr empfand Bibi Gritti die »üblichen« Mitbringsel (häufigste Varianten: Blumen oder Schokolade) als einfallslos und unpersönlich. Um spannendere Alternativen zu bieten, eröffnete sie kurz entschlossen ihren ersten Pop-up-Store für personalisierte Geschenke der besonderen Art – bei sich daheim. Hier bekam der Kunde Gläser aus Böhmen oder Silberaccessoires mit persönlicher Gravur, einen Aschenbecher mit dem Lieblingshaustier als handgemaltem Motiv oder bestickte Bettwäscheunikate.

Biedermeierkommode in Badezimmer

Dann kam eines zum anderen: Der besondere Stil, mit dem sie ihr eigenes Haus eingerichtet hatte, beeindruckte die Kunden, sie wurde immer öfter als Beraterin für Interieur-Gestaltung angefragt. Ihr exzellenter, treffsicherer Geschmack, die handverlesenen, hochqualitativen Produkte und ihr offenes Ohr und waches Auge für die Persönlichkeit der Kunden führten rasch zu unternehmerischem Erfolg. Heute ist Bibi Gritti eine der gefragtesten Expertinnen, wenn es um hochwertige, zeitgemäße Interieurs mit einem Augenzwinkern geht. Wer selber einmal in diesen Genuss kommen möchte, kann das Chalet auch auf Anfrage mieten.

COPYRIGHT FOTO: Caro von Saurma Photography

Ein Beitrag von Stephanie Fresle

Zum Expertenprofil von ART&more

Traumhafte Objekte und kompetente Experten finden