»Die Leute wollen ständig wissen, woher ich meine Inspiration nehme«, sagt er, »aber die Frage kann ich unmöglich beantworten. Kreativität ist eine Muse, die kommt, wann sie will. Ich versuche, meine Augen und Antennen immer auf Empfang zu halten.«

Adler ist ein Polyglott, der viele Designsprachen spricht: Ton und Keramik, Raumgestaltung, Möbel, Textilien und Lichtdesign jeder Couleur. Und aus diesen unterschiedlichen Medien komponiert Adler eine unverwechselbare Kadenz, die sie alle miteinander verbindet, eine Kadenz voller Humor, Unverschämtheit und überschwänglichen Farben.

Schreibtisch by Interior Designer Jonathan Adler

Heute führt Adler nicht nur mehrere Dutzend Stores weltweit, sondern ein florierendes Unternehmen für Innendesign. Zu seinen Aufträgen gehören Wohnbauprojekte und Gewerbeprojekte gleichermaßen (wie etwa das neu gestaltete und unvergleichlich charmante Hotel Parker Palm Springs). Angefangen hat alles mit zwölf Jahren an einer Töpferscheibe in den Ferien. Während seines Studiums an der Brown University in Providence schlug er stundenlang Ton in der benachbarten und renommierten Rhode Island School of Design.

Nachdem er einige Jahre als persönlicher Assistent für verschiedene Manager in der Unterhaltungsindustrie gearbeitet hatte (sein Dozent im Töpferkurs bescheinigte ihm mangelndes Talent), brachte ein mutiger Anruf bei Barneys New York die Wende und seine erste Bestellung. Wenig später eröffnete Adler ganz naiv seinen ersten Laden in SoHo, wo er nicht nur seine außergewöhnlichen Töpferwaren, sondern auch von ihm entworfene und in Peru hergestellte Textilien verkaufte.

Sitzensemble mit goldenen Akzenten by Interior Designer Jonathan Adler

 

 
»Wenn man nach Palm Springs kommt, fühlt man sich plötzlich wie ein Filmstar, der versucht, den Paparazzi zu entkommen.«

Das war der wenig verheißungsvolle Start, der lawinenartig zu dem ganzheitlichen Lifestyle-Konzept anwachsen sollte, das man heute unter dem Namen Jonathan Adler kennt. Seine Arbeiten beziehen sich zwar stark auf  die Stilarten Mid-Century-Modern und Hollywood Regency, aber auf ein oder zwei ästhetische Labels allein lässt sich sein Schaffen nicht reduzieren. Allein schon die Tonwaren sind mal organisch und ohne feste Gestalt, oft in neutralem Weiß oder Schwarz gehalten. Dann wiederum sind sie menschengestaltig und extrem farbenfreudig, mit einer kräftigen Dosis Surrealismus als Zugabe. Sein Lieblingsstück, die vielgesichtige Dora-Maar-Vase, ist charakteristisch für seinen Stil. 

Esstisch mit geometrischen Sideboard by Interior Designer Jonathan Adler
Wandgestaltung und Kommode by Interior Designer Jonathan Adler

»Letztens habe ich mit meinem Assistenten darüber gesprochen«, erzählt Adler, »und ich wollte wissen, wieso er sie stimmig findet. Er meinte, ‚Sie sieht eben aus, als sollte sie so sein.‘ Und ich finde, er hat Recht: Gutes Design sieht aus, als wäre es entdeckt worden, nicht ausgedacht.« Ganz nach diesem Motto bricht das Parker Palm Springs, das gerade von ihm vollkommen umgestaltet wurde, mit der stillschweigenden Regel, bei Hotels dürfe man keine Experimente machen. Adler hat einen Ort geschaffen, der Designinteressierte geradezu nach Palm Springs zieht. Farben, Formen, Muster: Hier spricht die Sehnsucht nach Mid-Century-Modern. Die Gäste fühlen sich, als wären sie in eine Slim-Aarons-Aufnahme aus den Sechzigerjahren spaziert. Wie bei der Dora- Maar-Vase sieht es genauso aus, wie es muss.

Designer Apartment in Charlston by Interior Designer Jonathan Adler

»Das ist der Geist der Frechheit, der Unverschämtheit. Ich habe hart gearbeitet, um zu zeigen, dass seriöses Design nicht bierernst sein muss.«

Jonathan Adler widerspricht der maximalistischen Konnotation, die seinem Stil oft zugeschrieben wird. »Alle halten mich für den übertriebenen Maximalisten, aber in Wahrheit bin ich ein minimalistischer Produktdesigner. Nur in Sachen Innenarchitektur bin ich Maximalist. Wenn ich ein Produkt entwerfe, gebe ich keine Ruhe, bis ich es auf seinen absoluten Kern reduziert habe.

Ich versuche, auf jede überflüssige Bewegung zu verzichten, um das Wesentliche an einem Objekt herauszuarbeiten«, sagt Adler. Ob nun Maximalist oder Minimalist, aus allen seinen Arbeiten spricht etwas Geschmeidiges und Humorvolles.

Interior Designer und Hundeliebhaber Jonathan Adler
»Ich liebe Berlin. Ich lasse mich aus dem Soho House nur zur Feinkostabteilung vom KaDeWe locken. Im Borchardt ist abends die Hölle los.«

Dieser rote Faden in seinem Schaffen lässt sich wohl am besten an den Wohnstätten entdecken, die er mit seinem Mann, dem Kreativ-Botschafter für Barneys und Autor Simon Doonan eingerichtet hat. Man erwartet eine Kollision zweier kreativer Kraftpakete, aber sowohl in New York City als auch auf Shelter Island fügt sich Doonan seinem Mann. „Wahrscheinlich denken die Leute, wir streiten uns darüber, wo die Kissen liegen und wie viele Obelisken zu viele Obelisken sind. Aber in Wahrheit lässt mir Simon einfach freie Hand.“ Prägnante geometrische Muster wie Fischgrat beherrschen die Zimmer, weiße Wände gleichen kräftige Farben aus. Wilde Motive werden durch die Hingabe an die Symmetrie ihrer Anordnung geerdet und erhalten so eine gewisse Würde.

geometrisches buntes Sideboard by Interior Designer Jonathan Adler

Die Einrichtung selbst wirkt verrückt und improvisiert, offenbart aber bei genauerem Hinsehen eine förmliche Strenge, die diesen quirligen Stil kohärent und spannend zugleich macht. Adler mag ein Meister der Überraschung und des Entzückens sein, aber er ist genauso ein Meister des Balanceakts.

Esstisch im Designer Appartment in Charlston by Interior Designer Jonathan Adler

In vielerlei Hinsicht gehörte Adler zu den Ersten, die gegen eine blasse Farbpalette aufbegehrten, die seit Jahren den allgemeinen Inneneinrichtungsstil beherrscht hatte. Er war daran beteiligt, die Vereinigten Staaten zu ihren bunten, rosigen Wurzeln zurückzuführen. »Meinen rein amerikanischen Arbeiten spürt man einen gewissen Optimismus ab«, stellt er fest. »Nur hier konnte ich tun, was ich getan habe, und da geht es um Freiheit, Optimismus, und Glamour, Glamour, Glamour – immer und überall. Alles, was ich schaffe, soll unvergesslich sein. Das ist für mich Glamour.«

Zugleich behauptet er, dass die Menschen generell mehr an Design interessiert sind als früher. Es gebe die Regeln nicht mehr, die frühere Generationen gehemmt hätten. Und das findet Adler gut, der für diese ästhetische Befreiung eingetreten ist. »Wenn es dir gefällt, dann funktioniert es auch«, sagt er.

»Wir leben in einer Welt, in der alles möglich ist, und ich würde es nicht anders wollen. Sie spornt mich an, immer noch bessere Dinge zu machen.«

Nächste Ausgabe nicht verpassen?
Melden Sie sich hier an.

Ein Beitrag von Mieke ten Have

Traumhafte Objekte und kompetente Experten finden