Meister der Einfachheit: Eine Retrospektive zu Jasper Morrison

Design, Interior

In einem Designmanifest, das Jasper Morrison im Jahr 2005 gemeinsam mit Naoto Fukasawa herausbrachte, hat der britische Produktdesigner formuliert, welche Eigenschaft für ihn ein Produkt perfekt macht: „Supernormal“ muss es sein. Was er damit meint? Ganz gleich, ob es sich um einen Stuhl, eine Uhr oder eine Türklinke handelt – ein Objekt definiert sich für Morrison über seine Funktion. Wie es zu benutzen ist, sollte intuitiv verstanden werden können, logisch sein, praktisch und angenehm.

Design als Selbstzweck lehnt Morrison ab. Um Ästhetik geht es ihm nicht primär. Gutes Design misst sich bei ihm in Alltagstauglichkeit. Dass es ihm seit Jahrzehnten auf diese Weise dennoch gelingt, ausnehmend schöne, minimalistische Möbel und Alltagsgegenstände zu entwerfen, ist Morrisons feinen Gespür für Form und Harmonie zuzuschreiben.

Zu den Prinzipien der legendären Gestaltungsschule Bauhaus passt Morrison geradezu optimal. Kein Wunder also, dass die erste Retrospektive, die das über 35 Jahre umfassende Werk des britischen Produktdesigners zeigt, in Deutschland im Berliner Bauhaus Archiv stattfindet. Am 22. März wird die Schau, die den äußerst treffenden Namen „Thingness“ trägt, eröffnet und ist dann bis zum 18. September zu sehen.

Jasper Morrison, geboren 1959 in London, studierte Design an der Kingston University und später am Royal College of Art. Ein Jahr nach seinem Abschluss, 1986, öffnete er sein Designstudio. Kurz darauf entwickelte er den „Thinking Man’s Chair“ (Cappellini), der prototypisch für Morrisons Konzept von Design steht: Der Lounge-Sessel besteht aus sanft gebogenem Metall, unaufdringlich eingefärbt, nüchtern, zeitlos. Das einzige – wenn man so will – dekorative Element ist die in klaren Buchstaben und Ziffern notierte Krümmung des Gestells.

Der „Thinking Man’s Chair“ machte Morrison damals bekannt, gilt heute unbestritten als Designklassiker und steht sogar im New Yorker MoMa. Nicht nur da natürlich: Cappellini produziert den Stuhl und hat ihn nach wie vor im Programm. Überhaupt gehören zu Morrisons Auftraggeber seit vielen Jahren so große Namen wie Vitra, Alessi, B&B Italia, Flos oder eben Cappellini. Zu seinen jüngsten Entwürfen gehören das Sofa Banksidevon B&B Italia, das Sofa Orla von Cappellini, das Modul-Sofa Soft von Vitra und seine erste Küche, Lepic, produziert von Schiffini. In der Berliner Ausstellung werden einige von Morrisons ikonischen Designs aus den vergangenen Jahrzehnten zu sehen sein, unter anderem auch der „Thinking Man’s Chair“.

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