Gemeinsam Baden gehen...

Design, Lifestyle

Eine aktuelle Ausstellung von Jane Withers lässt alte Badehäuser in neuem Licht erscheinen.

Jane Withers ist Designberaterin und Kuratorin. Sie befasst sich in ihrer Arbeit mit sozialen und ökologischen Fragestellungen rund um das Thema Wasser – vom Schwimmen in städtischen Gewässern über die Plastik- verschmutzung der Ozeane bis zum »Wasserfußabdruck«. Zurzeit arbeitet sie mit Architekten und Designern, um neue Ideen zu öffentlichen Badehäusern zu entwickeln. Wir haben uns mit der Londonerin im Vorfeld ihrer Ausstellung »Soak, Steam, Dream« getroffen. (Jeni Fulton im Interview mit Jane Withers)

JENI FULTON

Bei Ihrer Arbeit verknüpfen Sie globale Herausforderungen für unsere Umwelt mit einem design-orientierten Ansatz. Themen wie Plastikmüll in den Weltmeeren oder innerstädtische Flussverschmutzung werden in Kunstausstellungen umgesetzt. Kann dieser Ansatz das Verhältnis der Menschen zu Wasser nicht nur aufgreifen, sondern gar ändern?

JANE WITHERS

Design ist ein gutes Medium, um Umweltherausforderungen ins Auge zu blicken. In meiner Ausstellung »Urban Plunge« habe ich mich mit dem Schwimmen in städtischen Flüssen beschäftigt. Flüsse sind häufig die letzten großen öffentlichen Bereiche in unseren Städten. Wir sollten sie wieder mit Leben erfüllen. Damit tritt das Thema der Wasserqualität und aller damit zusammenhängenden Probleme auf die Bildfläche. Ohne dass es jedoch wie sonst nur beim Schimpfen über die verschmutzten Flüsse bleibt.

JF

In Ihrer Ausstellung »Project Ocean«, für die Sie mit dem Londoner Kaufhaus Selfridges zusammengearbeitet haben, setzen Sie sich mit der Plastikverschmutzung der Ozeane auseinander, einem der Hauptprobleme des 21. Jahrhunderts. Wie können Partner aus der Wirtschaft zu der Debatte beitragen, wo doch oft der Konsum selbst die Ursache dafür ist?

JW

Mit dieser Ausstellung wollten wir einen neuen Kommunikationsweg ausprobieren, der dazu inspirieren sollte, über Plastikverschwendung nachzudenken. Wir alle leiden manchmal an einer gewissen Ökofaulheit. Dennoch sind viele Wissenschaftler der Meinung, dass der einzelne Mensch etwas gegen den Plastikmüll bewirken kann. Selfridges nennt so etwas »Einzelhandelsaktivismus«. Das Kaufhaus hat den Verkauf von Einwegflaschen eingestellt und seine Kunden ermutigt, über ihren Wasserverbrauch nachzudenken. Wir müssen Plastik und dessen Nutzung durch den Menschen neu bewerten. Studio Swine beispielsweise hat im Rahmen meines Projekts Plastik aus Plastikinseln im Meer gesammelt und zu Kunstobjekten aufbereitet. Das ist ein sehr interessanter Weg, Vorstellungen kulturübergreifend zu visualisieren.

JF

Aus Ihrem Projekt ist die Kampagne #oneless der Londoner Zoological Society entstanden, die dazu ermutigen will, praktisch ganz auf Plastikflaschen zu verzichten.

JW

Warum nicht auf die Nutzung von Plastikflaschen verzichten? Das ist ein guter Anfang. Und bald fängt man an, Plastiktüten, den Einwegkaffeebecher und schließlich seinen Plastikverbrauch überhaupt zu überdenken. Wir möchten erreichen, dass ganz London auf Plastikwasserflaschen verzichtet. Es gibt bereits Systeme, um gefiltertes, kohlensäurehaltiges Wasser direkt aus dem Wasserhahn zu erhalten. Das ist eine tolle Methode, die Nutzung von Plastikflaschen zu reduzieren.

JF

»Soak, Steam, Dream«, Ihre neue Ausstellung in London, beschäftigt sich mit modernen Badekulturen. Worum geht es genau?

JW

Die Ausstellung zeigt das wieder auflebende Interesse an öffentlichen Badehäusern. Peter Zumthors »Therme Val« interpretiert die antike Badekultur aus einer modernen Perspektive. Andere Architekten und Designer holen das Konzept des Badehauses als Raum für sozialen, kulturellen und sogar politischen Austausch wieder auf den Tisch. Auch die Idee der Kur erlebt eine Wiederauferstehung.

JF

Woher kommt dieses neue Interesse? Hängt das vielleicht mit einem Wunsch nach gemeinsamen Erlebnissen zusammen?

JW

Es geht um Gemeinschaftsbildung. In Barking, einem der ärmeren Stadtteile von London, gab es kürzlich ein Badehaus, ein Kurzzeitprojekt der Künstlergruppe Something & Son. Ziel war es, zu der Idee des lokalen Badehauses als gemeinsam genutztem Ort zurückzukehren. Das trägt übrigens auch zu einer Kostensenkung bei. Und in Göteborg wurde von dem Architekturbüro raumlaborberlin ein sehr interessantes Saunaprojekt gestartet, welches nicht nur der Erholung der Anwohner dient, sondern zugleich ein stillgelegtes Hafenviertel wiederbelebt.

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